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Das New England IPA – unsere Rezepttipps

New England IPA - Rezepttipps zum Selberbrauen

Was genau ist eigentlich ein New England IPA?
…und wie kann man es brauen?
Wir haben die Antworten.

Es wird auch bei uns in Deutschland gerade richtig populär, und ist drauf und dran sich als eigener Bierstil zu etablieren. Das New England IPA oder kurz NEIPA.
Lange dominierten die sogenannten West Coast IPA’s das Geschehen. Sie wurden immer stärker, trockener und bitterer. Das New England IPA hingegen geht davon weg, und hat seinen eigenen Charakter entwickelt. Es setzt auf einen saftigen, extrem fruchtigen Geschmack, volles Mundgefühl und weniger Bittere. Also eher in Richtung von Fruchtsaft, und so sieht es auch ein wenig aus. In der Optik ist es meist hell goldgelb und trüb.
Das Aroma ist klar dominiert von Hopfenaromen der Kategorie Tropenfrüchte (Maracuja, Mango, Ananas, etc.), Zitrusfrüchte (Orange, Mandarine) und auch Steinfrucht (Aprikose, Pfirsich). Würzigere Hopfenaromen der grasigen, kräuterigen und harzigen Richtung sind dagegen untypisch.

New England IPA im GlasEntwickelt hat sich diese Art IPA’s zu brauen in den New England Staaten an der nördlichen Ostküste der USA. Wo Brauereien wie The Alchemist, Tree House und Trillium angefangen haben, ihre eigenen Interpretationen des IPA’s zu entwicklen. Sie konzentrieren sich auf zitrus- und tropische Aromen des Hopfens, und stellen diesen einen süß-cremigen Malzkörper mit sehr abgerundeter Bittere gegenüber. Diese Biere sind bei uns unter dem Begriff “New England IPA” bekannt.

Eine klar definierte Schublade gibt es aber nicht, auch wenn Viele versuchen es in eine zu pressen. Der Begriff kann uns hierzulande zumindest als Orientierung dienen, als Oberbegriff für eine Reihe neuer IPA-Varianten die immer eines sind:  undurchsichtig und überraschend!
Glücklicherweise haben auch immer mehr europäische und auch deutsche Brauer eins im Programm. Wer es noch nicht kennt: Es lohnt sich, probiert mal eins!

Doch wie wird es gebraut? Was ist darüber bekannt?

Ein Blick auf die Zutaten:

Die Schüttung

Hafer, Weizen und Rohfrucht
Eine Besonderheit bei diesem Bier ist, dass oft auf Hafer und Weizen zurückgegriffen wird. Auf Hafer vor allem deshalb, weil er erheblich zur Textur beiträgt. Zum Geschmack übrigens kaum. Vielmehr sorgt er für ein samtiges, cremiges Mundgefühl. Verantwortlich dafür sind die enthaltenen Eiweißstoffe und beim Hafer noch dazu sein relativ hoher Beta-Glucan-Gehalt. Das Beta-Glucan ist eine Verbindung von mehreren Glucose Molekülen, und es erhöht die Viskosität der Maische. Sie wird also dickflüssiger je höher der Haferanteil ist. Mit der Menge an Hafer sollte man es also nicht übertreiben, sonst wird eventuell eine zusätzliche Glucanaserast/Gummirast bei etwa 35-40 °C nötig, um die Glucane abzubauen die einem sonst das Läutern arg erschweren könnten. Ein Haferanteil von bis zu 15 % ist aber meist kein Problem und kann auch mit einer normalen Kombirast von 60 min bei 66-67 °C abgefrühstückt werden.
Hafer, Haferflocken / RohfruchtNeben Hafer wird in manchen Rezepten auch ein kleiner Anteil von 2-5 % Weizen und/oder Gerste verwendet (geschrotet oder als Flocken). Abgesehen von unvermälztem Getreide, kann man auch mit etwas Weizenmalz das cremigere, vollere Mundgefühl unterstützen.

Basismalze
Als Basismalz kann statt dem American 2-Row ein europäisches helles Basismalz wie Pilsener oder Pale Ale verwendet werden. Auch eine Mischung aus einem hellen Malz und dem kernigen englischen Maris Otter ist passend.

Maris Otter Malz und Pale Ale Malz

Weitere Malze
Geringe Anteile weiterer Spezialmalze wie Honey Malt (in Europa ggf. ersetzt durch Melanoidinmaz) oder Karamellmalz sind auch möglich. Dadurch wird es etwas süßer und vollmundiger. Manchen NEIPA’s wird aber auch Zucker hinzugegeben, um sie eher trockener zu machen. Es gibt hier also etwas Spielraum was die Malzigkeit und gewünschte Restsüße angeht.

Der Hopfen

Bitterung
Je länger Hopfen mitkocht, desto mehr Geschmacksstoffe gehen in die Würze über. Bei längerer Kochzeit entsteht dann vor allem Bittere, aber es lösen sich auch andere Substanzen die adstringierend wirken. Die möchte man im NEIPA möglichst nicht haben, da sie das cremig weiche Mundgefühl und damit die Balance stören. Es wird deshalb gerne mit Hopfen-Extrakten zur Bitterung gearbeitet, die eine saubere Basis-Bittere ohne die ungewünschten Aromakompontenten liefern. Die Brauer verwenden dazu gerne Hopshots – das sind kleine Spritzen gefüllt mit CO2 Hopfenextrakt. Man kann aber auch mit normalem Bitterhopfen arbeiten, der aber nur einen winzigen Teil der gesamten Hopfenmenge betragen sollte. Oft sind das nur zwischen 10 und 20 g Hopfen pro 20 Liter (bei einer typischen Gesamt-Hopfenmenge von locker 200 bis 300g bei einem 20 Liter Sud!!).

Aroma
Essentiell sind extrem hohe Hopfengaben zum Kochende, im Whirlpool und das meist doppelte Hopfenstopfen. Bei den Hopfengaben sollte man darauf achten dass nicht zu viel Alphasäure ismomerisiert und zur Bitterung beiträgt. Eine großzügige Hopfengabe von ca. 5 g Hopfen pro Liter in den Whirlpool bei ca 80 °C ist da ein gängiges Mittel. Hierbei werden die fruchtigen und an Saft erinnernden Aromen in Massen gelöst.

Hopfenstopfen
Das Vorgehen beim Hopfenstopfen ist hier besonders. In den meisten Rezepten wird während aktiver Gärung und doppelt hopfengestopft. Das erste Hopfenstopfen wird während der Hauptgärung gemacht, um von der sogenannten Biotransformation zu profitieren. Dabei findet eine besondere Reaktion der Hopfenöle mit der Hefe statt, die das Aroma des Bieres beeinflusst. Genauer finden dabei verschiedene enzymatische Umwandlungen statt, und aus dem im Hopfen enthaltenen ätherischen Öl Geraniol wird z.B. β-Citronellol.
Um diesen Effekt zu nutzen, muss der Hopfen in Verbindung mit der Hefe gebracht werden, und deshalb wird schon nach 1-2 Tagen, wenn die stürmische Gärung sich etwas gelegt hat mit dem ersten Hopfenstopfen begonnen. Nach einigen Tagen folgt dann das zweite Hopfenstopfen, welches das Hopfenaroma noch einmal steigert. Vor allem auch, weil nun bei abgeflauter Gärung, nicht mehr so viel Aroma durch aufsteigendes CO2 ausgetrieben wird.
Die Hopfenmengen beim Hopfenstopfen sind in den meisten Rezepten ähnlich groß im Bereich von 3 – 6 g Hopfen pro Liter. Typische Hopfensorten sind die sehr Zitrus- und Tropenfruchtbetonten Amarillo, Mosaic, Citra, Galaxy und El Dorado. Aber auch etwas würzigere Sorten wie Columbus, Centennial und Simcoe können eine gute Nebenrolle spielen.

Die Hefe

Trockenhefen und Flüssighefen: M36, S-04, Wyeast, Vermont AleBei der Hefewahl kann man eine englische Hefe mit mittelhohem Vergärungsgrad nehmen. Fruchtige Ester sind erwünscht, weshalb zu neutrale Hefen wie Danstar Nottingham, Fermentis Safale US-05, und andere West Coast Hefen eher ungeeignet sind. Sie vergären zudem etwas zu hoch, was der hohen Drinkability abträglich wäre. Zielführender im Trockenhefen-Sektor sind z.B. Fermentis Safale S-04 oder Craft Series M36 Liberty Bell Ale.
Als Flüssighefe wird gerne die Wyeast1318  London Ale III genommen. Einige schwören auch auf die sogenannten “Vermont” oder “Conan” Hefen, die sich in den USA entwickelt bzw. weiterentwickelt haben und dort sehr beliebt sind. Diesen Hefestämmen werden besondere Aromen wie Ananas, Mango und Pfirsich nachgesagt. Die berechtigte Frage ist nur, inwieweit das bei einem Bier das so dermaßen überhopft ist, überhaupt herauszuschmecken ist. Glücklicherweise sind diese Hefestämme zunehmend auch in Deutschland erhältlich, sodass sie jeder selbst ausprobieren kann.

Weitere Rahmendaten

Trübung: Die typische Trübung ergibt sich zwangsläufig, denn sie wird durch mehrere Faktoren begünstigt: den Weizen- und Haferanteil (Eiweißstoffe), den hohen Hopfeneinsatz und die damit verbundene Biotransformation, das Absetzverhalten der Hefe (also eine eher geringe Sedimentation).
Farbe: Von Gelb über Gold bis Bernstein. In Zahlen: von 8 bis um die 20 EBC.
Stammwürze: Im IPA-typischen Bereich von ca. 14,5 bis 17 °P.
Bittereinheiten: Meist zwischen 40 und 50 IBU. Die Bittere wird aber nicht so stark wahrgenommen, denn die hohe Vollmundigkeit dämpft das Empfinden für Bittere.
Lagerung: nur kurz und möglichst kalt lagern. 2 Wochen nach Ende der Nachgärung probieren!

Der letzte Schliff gefällig? – Das Wasser

Eine wichtige Vorraussetzung für ein herausragendes NEIPA ist auch das verwendete Brauwasser. Es gibt hierzu verschiedenste wilde Gerüchte, aber auch ein paar naheliegende Tipps zum Wasserprofil.
Wasseraufbereitung aufsalzenUnd zwar: …sollte das Wasser erst einmal weich sein. Denn Wasser mit hohem Mineralienanteil ist ungünstig für das gewünschte Mundgefühl und Hopfenaroma. Auf ein Verhältnis zweier Bestandteile wird dann ganz besonders geschaut. Das von Chlorid und Sulfat. Anderes als beim West Coast IPA (angestrebtes Optimal-Verhältnis 1:3 Chlorid Sulfat, also Sulfat-lastig um es trockener zu machen) lauten die Empfehlungen für ein NEIPA, in Richtung eines Verhältnisses von 1:1. So wird die Malzigkeit und Vollmundigkeit unterstützt.
Der Chloridanteil in seiner absoluten Menge sollte zudem so hoch wie möglich justiert werden (200-250 mg/L), ohne die Schwellenwerte für die anderen Mineralien zu überschreiten. Genau einstellen kann man die Verhältnisse durch sog. Aufsalzen mit z.B. Calciumchlorid (CaCL2), Natrium Chlorid (NaCl) oder Calciumsulfat (CaSO4). Dazu benötigt man natürlich mindestens die Wasseranalyse des örtlichen Wasserwerks. Weiter unten findet ihr noch hilfreiche Links zu dem Thema.
Das mag jetzt sehr fortgeschritten klingen, ist beim NEIPA aber ein wirklich spannendes Thema. Die Herausforderung anzunehmen, kann sich hier lohnen!

Ihr seht, ein NEIPA bietet eine Menge an Stellschrauben und Interpretations-Spielraum. Deshalb ist dieser Blogbeitrag als Liste von Anhaltspunkten zu verstehen, wie man ein NEIPA brauen kann, aber nicht muss! Wir hoffen, ihr hattet Spass daran und könnt für eigene Versuche was davon mitnehmen.

Also dann, Viel Spass beim Brauen!
Schreibt uns doch mal, wie eures geworden ist. Und wenn euch der Artikel gefällt, gerne teilen!

Über den Autor
Lukas Beckmann
port_luk

Links
Hilfreich zur Wasseraufbereitung:
Der Rechner zur Wasseraufbereitung von Maischemalzundmehr.de
Ein Artikel zum generellen Verständnis der Wasseraufbereitung vom Braumagazin.de

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Externe Rezepte: Umrechnen von Hauptguss und Nachguss bei Malzrohranlagen

Wenn Ihr mit Malzrohranlagen unsere externen Rezepte braut, bitte beachten: Die Angaben für Haupt und Nachguss für Braumeister, Grainfather und Co. – wie ihr sie von unseren eigenen Rezepten kennt – fehlen hier. Hier müsst ihr selbst umrechnen. Wir empfehlen wie folgt:

1. Behaltet die gesamte Menge an Brauwasser, also Hauptguss + Nachguss, bei, und verändert deren Verhältnis soweit bis ihr bei folgenden Mindestmengen für den Hauptguss seid:

  • 10 Liter Malzrohranlage: Mindestmenge Hauptguss: 11 Liter
  • 20 Liter Malzrohranlage: Mindestmenge Hauptguss: 22 Liter
  • 50 Liter Malzrohranlage: Mindestmenge Hauptguss: 46 Liter

2. hat es sich außerdem bewährt, dann noch etwas weniger Nachguss zu geben. Wir empfehlen:

  • 10 Liter Malzrohranlage: Nachguss um 0,5 Liter verringern
  • 20 Liter Malzrohranlage: Nachguss um 1 Liter verringern
  • 50 Liter Malzrohranlage: Nachguss um 2,5 Liter verringern
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Hopfenstopfen Anleitung – So gehts

Hopfenstopfen Anleitung

Durch das Hopfenstopfen bekommt man sehr viel mehr Hopfengeschmack, und vor allem Geruch, ins Bier.

Beim Hopfenstopfen wird der Hopfen, nachdem die Hauptgärung abgeschlossen ist, zu dem Jungbier in das Gärfass gegeben. Dort zieht er dann noch einige Tage und wird vor dem Abfüllen wieder entnommen.

Wir können zwei Vorgehensweisen empfehlen:

1. Variante: Die Pellets werden lose in das Gärfass gegeben.

Der Hopfen setzt sich nach und nach am Boden ab. Das kann ein paar Tage dauern, meistens eine knappe Woche. Man füllt anschließend das klare Jungbier oberhalb des Hopfen- und Hefebodensatzes ab. Wenn die feinen Hopfenstückchen sich nicht gut am Boden absetzen, kann man das Jungbier noch durch einen Hopfenfilter (z.B. Monofilament Hopfenfilter) in einen zweiten sog. Abfüllbehälter umschlauchen, also umfüllen.
Vorteil: Unsere Erfahrungen sind, dass bei dieser Variante mehr Hopfenaroma ins Bier übergeht als bei der zweiten Variante.

2. Variante: Die Pellets werden in eine Art Filtersäckchen gegeben und in das Jungbier gehängt.

Hierfür braucht man einen feinen Filter, z.B. einen Monofilament Hopfenfilter oder ein Kochsäckchen aus feinem Nylongewebe, aber auch mehrere große Teebeutel funktionieren. Da die Pellets stark aufquellen, sollte das/die Säckchen sehr großzügig sein! Das Volumen der aufgeweichten Pellets verzehnfacht sich in etwa! Viele beschweren die verschlossenen Säckchen noch mit Glas oder Edelstahl, damit Sie im Bier untergehen. Vorteil: Bei dieser Variante kann man auch schon nach zwei, drei Tagen den Hopfen entnehmen.

Bei beiden Varianten, und einer eventuellen Umfüllaktion, sollte man vorsichtig agieren um nicht zu viel der schon im Jungbier gelösten Kohlensäure zu verlieren!

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Selber Bier brauen – Wo fange ich denn an?

Braukessel mit Hopfenpellets und geschrotetem Röstmalz

Da wir immer wieder nette Anfragen von Neulingen bekommen. Hier nun ein Beitrag für all jene, die sich für das Selberbrauen interessieren. Die sich informieren, und infizieren lassen möchten vom Brauvirus. Also, los!

Wir sagen: Wer gutes Bier trinken kann, der kann es auch brauen.
Ein gut gebrautes Bier und die verschiedenen Bierstile bewusst zu geniessen, ist eigentlich der Grundstein. Wenn man an diesem Punkt schon ist, ist man ganz nah dran, das großartige Hobby Selberbrauen für sich zu entdecken. Und wie bei vielen Dingen, ist ja das reizvolle, sie Stück für Stück kennenzulernen. Die Einzelelemente zu erfahren, zu schmecken, zu riechen, verstehen zu lernen wie dies und das funktioniert, um es dann selbst in Angriff zu nehmen. Mit dem Hobbybrauen zuhause fängt man nicht einfach mal so an, man muss sich schon etwas darauf einlassen. Das soll jetzt nicht abschrecken, im Gegenteil. Es soll ermutigen. Denn wir wollen, dass mehr zuhause gebraut wird!

Deshalb zur Orientierung, aus unserer Sicht sinnvolle erste Schritte:

  1. Suche ersten Kontakt zu Hobbybrauern

    Stammtische, Treffen oder Hobbybrauer-Verkostungen z.B. auf Bierfestivals gibt es in fast jeder größeren Stadt. Man kann auch in lokalen Bierspezialitätenläden nachfragen, wo was geht. Und: Jeder kleine (Craft)Brauer war auch mal Hobbybrauer.
    Erwarte nicht, dass man nach einem Hobbybrauertreffen einen kompletten Masterplan zum Brauen in der Tasche hast. Sondern: Erste Kontakte zu Gleichgesinnten, Austausch und vor allem Spaß. Das wirkt wie ein Katalysator, der einen vom Interessierten zum Ambitionierten macht.

  2. Schau jemandem beim Brauen über die Schulter

    Keiner im Bekanntenkreis der schon braut? In Foren und sozialen Netzwerken sind dutzende Hobbybrauer unterwegs, die gerne mal zu einem Brautag einladen. Hobbybrauer sind äußerst gastfreundlich und aufgeschlossen. Mindestens genauso gut ist der klassische Braukurs. Der Vorteil daran ist, einmal von Anfang bis Ende alles gesehen zu haben. Dabei bleibt zehnmal mehr hängen, als man sich im Internet oder Büchern anlesen und ansehen kann.
    Vor allem hat man schonmal erste Anhaltspunkte zum Brauequipment gesammelt!

  3. Kauf dir ein Buch zum Brauen oder stöbere im Netz

    Sich selbst weiter in die Materie einzuarbeiten ist spannend. Und das geht auch ohne Braukurs oder einschlägige Erfahrungen. Wenn man weiss wo man welche Information findet, ist das schon die halbe Miete. Sei es in einem Buch, oder auf einer Website mit einer Brauanleitung. Eine sehr gute Brauanleitung, findet man übrigens hier (Brauanleitung.de).
    Das Brauen ist so vielfältig, dass man sich nach und nach – und bis in endlose Tiefen – einarbeiten kann. Und dabei hat jeder seine eigenen Interessen und Schwerpunkte. Verschiedene Brauverfahren, Hopfensorten und Aromen, oder spezielles Zubehör. Für Alles gibt es unzählige Ressourcen. Zu diesem Schritt gehört auch die Erkenntnis: Jeder braut anders. Und das ist auch gut so!

  4. Stell dir ein Brauequipment zusammen

    Der Markt ist riesig und die hunderten unterschiedlichen Brauanlagen können einen Einsteiger ziemlich verwirren. Sie zeigen aber auch, dass man mit nahezu allem Bier brauen kann. Um es vereinfacht zu sagen reicht ein Topf, etwas zum Läutern (Läuterbottich oder Läuterschlauch) und ein Gärfass im Großen und Ganzen aus! Die anderen Kleinteile kriegt man schon noch zusammen, wenn man erstmal die wichtigsten Dinge beisammen hat. Wenn man jemanden kennt der braut, kann man vielleicht auch was ausleihen. Hier noch eine beispielhalfte Brauutensilienliste (Brauanleitung.de) für das Brauen von 20 Litern in einem Einkocher. Der Klassiker.

  5. Suche Rezepte für das Bierbrauen

    Und damit geht das Vergnügen eigentlich erst richtig los. Denn jetzt ist man selbst der Braumeister, und entscheidet welches Bier gemacht wird. Besonders am Anfang machen fertige Mischungen mit allen Zutaten viel Sinn. Weil die Mengen und Rezeptangaben in sich schlüssig sind, und “Anfängerfehlerquellen” so gut es geht ausgeschlossen sind. Man kann sich auch an veröffentlichte Rezepte auf verschiedenen Rezeptplattformen halten. Dann sollte man aber nochmal genauer gucken, ob die Zutatenmengen und Angaben im Rezept zum eigenen Vorgehen und zum Equipment passen. Passt die Menge an Brauwasser? Passt die Bitterung durch die Hopfengaben? Besonderheiten in der Gärung? etc. Auch da helfen Braufreunde im realen und virtuellen Leben immer gerne weiter.

  6. Und last but not least: Hab Geduld!

    Nach all der Energie und auch dem Geld das man reingesteckt hat die vielleicht härteste Probe: Bier braucht Zeit!
    Aber es lohnt sich tausendfach! Das Brauen und die damit verbundene “Arbeit” machen extrem viel Spaß, sind faszinierend und inspirierend. Und am Ende muss man einfach sagen: Probiert es aus… und Cheers!

 

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Kaffeebohne gegen Röstmalz – Das Cafe Americano Stout Rezept

Kaffeebohne Röstmalz

Kaffeebohne oder Röstmalz?

Wir haben uns diese Frage schon vor knapp einem Jahr gestellt. Damals ging es los mit der Rezeptentwicklung für unser erstes Stout, und das Spannende daran war die Evolution die das Rezept genommen hat. Wie aus dem Gedanke an ein kerniges, trockenes Stout mit den klassischen Röstaromen  – auch unter Zugabe von Kaffeebohnen – ein Stout mit einer weiteren Dimension wurde. Wie aus dem “Espresso Stout” (das wir so ja bereits angekündigt hatten) das Cafe Americano Stout wurde.
(Schonmal vorab: Nein… da ist jetzt kein Kaffee drin. Wir schwimmen also stolz gegen den Strom.)

Unsere ursprüngliche Idee von einem Stout

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Testsud mit Kaffee. Grob geschrotet und mit dem Malz gemaischt

…sah eigentlich so aus: Klassisch interpretiert. Also tiefschwarz, trocken, bitter-röstig – irisch eben. Vielleicht etwas stärker als gewohnt und mit einer Besonderheit. Die muss es eigentlich haben – dachten wir. Und kamen auf Kaffeebohnen. Aber wie? Zur Maische, zum Kochende oder erst in der Gärung? Ganz, geschrotet oder fein gemahlen? Oder frisch aufgebrüht? Oder als Cold-brew Extrakt? Espresso oder Kaffeebohnen, und und und …

Wir haben ein paar Tests gemacht, und irgendwann gemerkt dass man hier erschlagen wird von Möglichkeiten, aber irgendwie nicht so richtig vom Ergebnis. Herausschmecken konnte den Kaffee anfangs niemand. Bei hoher Dosierung oder bei der Zugabe vor Abfüllung schmeckte man ihn dann, aber das war dann eher eine Version eines kalten Kaffees, …mit Bier. Schon was spezielles, aber eben kein lecker-süffiges Stout mehr.
Kaffee trinken die meisten ja auch am liebsten mit Kaffeebohnen, und nicht mit Röstmalz (mal ausprobieren lohnt sich aber! ). Blieb also die Frage, warum muss da eigentlich Kaffee rein?

Kaffeearomen und Stout, das passt

…und zwar schon immer. Ganz ohne Zugabe von Kaffeebohnen. Denn die Malze selbst, verschiedene Versionen von Röstmalzen, bringen genug Aromen mit die sich mit denen des Kaffees überschneiden. Warum also eine Zutat addieren die einen so schwer überzeugen kann? Warum mehr tun als not tut?
Bis zu dieser Einsicht mussten wir allerdings einen weiteren Umweg nehmen, und zwar über die amerikanischen Versionen des Stouts.

Stildefinition “American Stout” laut BJCP (Guidelines für Bierstile)
…zusammengefasst: Mittel bis starkes Röstmalzaroma und der Geschmack von Kaffee, gerösteten Kaffeebohnen und Bitterschokolade. Wenig Malzsüße und eine ordentliche bis hohe Bitterkeit. Soweit Stouttypisch. Aber dann: Ein deutliches Hopfenaroma soll es haben, und gerne mit Zitrus oder harzigen amerikanischen Hopfenaromen. Dazu passt eine Hefe die kaum Ester erzeugt. Das wohl bekannteste Beispiel sicherlich das Sierra Nevada Stout.

Nach einigen Testsuden, waren die Kaffeebohnen gestorben
…und das nicht nur weil der Hopfen ins Spiel kam. Nein, statt mit Kaffeebohnen haben wir mit hocharomatischen Röstmalzen experimentiert. Das relativ helle Ambermalt (40-60 EBC) von Warminster bringt trockene, milde Kaffee- und Biscuit-Aromen. Das Black Malt von Fawcett (1200-1600 EBC) starke, röstige Espresso Noten. Genau dazwischen angesiedelt, das Weyermann Carafa® II (1100-1200 EBC), das Kaffee und Bitterschokoladenaromen mitbringt. Komplettiert wird das Ganze mit einer spürbaren Gabe einschlägiger amerikanischer Hopfen (Chinook und Amarillo).

Amber Malt / Black Malt / Carafa® II
Amber Malt / Black Malt / Carafa® II

Das hat uns dann überzeugt. Und wie! Kommen wir also direkt zum Rezept:

Cafe Americano Stout Rezept

{ 15 °P – 48 IBU – 160 EBC – 6,4 % Alc. }

Für 20 Liter:

Maischen:
Malzmischung: 4800 g Pale Ale Malz, 450 g Amber Malt, 250 g Black Malt, 150 g Carafa® II
Hauptguss: 18 Liter
Nachguss: 10 Liter
Kombirast: 60 min bei 66 °C

Würzekochen:
Vorderwürzehopfung: 20 g Chinook 2015 10,8 %
Kochzeit: 70 min
20 g Amarillo 2015 8,8 % für 10 min
30 g Amarillo 2015 8,8 % für 1 min

Hopfenseihen/Whirlpool:
15-20 min (=Nachisomerisierungszeit)

Gärung:
1 Beutel US-Ale Hefe ( z.B. Safale US-05, Craft Series US West Coast oder Danstar BRY-97 American West Coast )

Ist bei uns als Braumischung erhältlich. Das Rezept darf gerne geshared und nachgebraut werden, und steht auch unter Maischemalzundmehr online.

(Die Version mit Kaffee ist natürlich nicht gänzlich gestorben, eher auf später verschoben. Wir geben noch nicht auf :-) )

Cheers

Zur Braumischung im Shop

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Beckmanns Braumischung sagt Danke!

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Wir wollten an dieser Stelle auch mal DANKE sagen. Auf unserer Facebook Seite hatten wir das bereits schon getan, denn dort sind viele Kunden und Unterstützer unterwegs. Aber auch über andere Kanäle bekommen wir regelmäßig Feedback, und das nicht nur in Form von Bestellungen. Danke also für eure Aufmerksamkeit!!

Wir, oder vielmehr ich, Lukas mache die Braumischungen nun schon knapp eineinhalb Jahre. In dieser Zeit habe ich für die Idee, unkompliziert und frisch Braurezepte nach Hause zu ordern, viele positive Rückmeldungen bekommen. Wir haben schon viele Braumischungen verkauft, und hatten noch keine einzige Beanstandung oder Rücksendung. Wenn, dann hören wir von leckeren Bieren, vom erfüllten Hobby Brauen und die Frage, was denn als Nächstes komme. Das macht uns stolz, und so soll es gerne weitergehen. Deshalb nochmal DANKE!
Wir werden weiter so abliefern, wie ihr es gewohnt seid, und sind für eure Wünsche und Meinungen nach wie vor äußerst offen.
Kürzlich sind wir übrigens in eine Produktionsstätte eingezogen, die uns optimale Bedingungen bietet (Lager, Produktion, Kühlraum und Versand unter einem Dach). Auch einige Kooperationen laufen künftig an. Es bleibt also für uns, und ich hoffe auch für euch, spannend.